Transformal Rilke

During the course of 2018 Jodd created a series of ‘Transformal Works’ after poems by Rainer Maria Rilke.

to see another one of Jodd’s THEMED SERIES:

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René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke (4 December 1875 – 29 December 1926), better known as Rainer Maria Rilke, was a Bohemian-Austrian poet and novelist. He is widely recognized as one of the most lyrically intense German-language poets. He wrote both verse and highly lyrical prose. Several critics have described Rilke’s work as inherently “mystical”.
His writings include one novel, several collections of poetry and several volumes of correspondence in which he invokes haunting images that focus on the difficulty of communion with the ineffable in an age of disbelief, solitude and profound anxiety. These deeply existential themes tend to position him as a transitional figure between the traditional and the modernist writers. (Source: Wikipedia)

Jodd explains the creation of the series ‘Transformal Rilke’:

“Rilkes Gedichte ermöglichen es mir, mich in eine andere menschliche, künstlerische Existenz des vergangenen Jahrhunderts ja sogar Jahrtausends zu versetzen. Ich mache die Bilder, um Rilke nahe zu sein. In den Momenten, in denen ich Bilder nach seinen Texten erschaffe, versetze ich mich in ihn, in sein Fühlen und Denken, so wie ich es aus seinen Texten erfahre.

Der künstlerische Prozess:
Ich lese das Gedicht mehrfach und höre es wiederholt. Ich versuche das zu sein, was ich höre und spüre. Das führt mich in eine andere Dimension des Empfindens , die nicht in der Gegenwart liegt, sondern aus einer anderen Zeit, einer anderen Existenz kommt. Auch wenn ich das Bild mache, höre ich wiederholt das Gedicht, meist vorgetragen von einem Schauspieler. Das Trägermaterial, Schellack und flüssige Pigmente werden expressiv aufgetragen und in einem rasenden Tempo schreibe ich das Gehörte, mehr noch Gefühlte, mit einem Graphitstift in das Bild ein.
Das Bild ist fertig, wenn das Gedicht in das Bild eingeschrieben ist
Ich hoffe dem künstlerischen Genie des Rainer Maria Rilke gerecht geworden zu sein und bedanke mich posthum bei ihm.”

After the poem ‘Du siehst, ich will viel’ by Rainer Maria Rilke

Du siehst, ich will viel.
Vielleicht will ich Alles:
das Dunkel jedes unendlichen Falles und jedes Steigens lichtzitterndes Spiel.
Es leben so viele und wollen nichts,
und sind durch ihres leichten Gerichts glatte Gefühle gefürstet.
Aber du freust dich jedes Gesichts, das dient und dürstet.
Du freust dich Aller, die dich gebrauchen wie ein Gerät.
Noch bist du nicht kalt, und es ist nicht zu spät,
in deine werdenden Tiefen zu tauchen,
wo sich das Leben ruhig verrät.

22. 9. 1899, Berlin-Schmargendorf

MIVOLAS – acrylic/shellac/mixed media on canvas, 95 x 200 cm, 2018

After the poem ‘Ich will ein Garten sein’ by Rainer Maria Rilke

Ich will ein Garten sein, an dessen Bronnen
die vielen Träume neue Blumen brächen,
die einen abgesondert und versonnen,
und die geeint in schweigsamen Gesprächen.
Und wo sie schreiten, über ihren Häupten
will ich mit Worten wie mit Wipfeln rauschen,
und wo sie ruhen, will ich den Betäubten
mit meinem Schweigen in den Schlummer lauschen.

31.12.1897, Berlin-Wilmersdorf

LORATEGIAI ZAN NAHI – acrylic/mixed media on canvas, 150 x 200 cm, 2019 – € 11.800

After the poem ‘Erinnerung’ by Rainer Maria Rilke

Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine, das Erwachen der Steine, Tiefen, dir zugekehrt.

Es dämmern im Bücherständer die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder wiederverlorener Fraun.

Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres Angst und Gestalt und Gebet.

From: Das Buch der Bilder

TOTXU – acrylic/mixed media on canvas, 160 x 220 cm, 2019

After the poem by Rainer Maria Rilke

Ich sprach von dir als von dem sehr Verwandten, 
zu dem mein Leben hundert Wege weiß, 
ich nannte dich, den alle Kinder kannten, 
für den ich dunkel bin und leis. 

Ich nannte dich den Nächsten meiner Nächte 
und meiner Abende Verschwiegenheit, 
und du bist der, in dem ich nicht geirrt, 
den ich betrat wie ein gewohntes Haus. 
Jetzt geht dein Wachsen über mich hinaus: 
Du bist der Werdenste, der wird.

Aus ‘Worpsweder Tagebuch’, 4. Oktober 1900

OITIZA – acrylic/mixed media on canvas, 200 x 150 cm, 2018 – € 13.700

After the excerpt from ‘Dir zur Feier’ by Rainer Maria RilkeIch hab das “Ich” verlernt und weiß nur: wir.

Mit der Geliebten wurde ich zu zwein;
und aus uns beiden in die Welt hinein
und über alles Wesen wuchs das Wir.

Und weil wir Alles sind, sind wir allein.

LORATEGIAI ZAN NAHI – acrylic/shellac/mixed media on canvas, 100 x 160 cm, diptych 2018 – € 8.600

After the poem ‘Ich bin, du Ängstlicher’ by Rainer Maria Rilke

Ich bin, du Ängstlicher.
Hörst du mich nicht mit allen meinen Sinnen an dir branden?
Meine Gefühle, welche Flügel fanden,
umkreisen weiß dein Angesicht.
Siehst du nicht meine Seele,
wie sie dicht vor dir in einem Kleid aus Stille steht?
Reift nicht mein mailiches Gebet an deinem Blicke wie an einem Baum?
Wenn du der Träumer bist, bin ich dein Traum.
Doch wenn du wachen willst,
bin ich dein Wille und werde mächtig aller Herrlichkeit
und ründe mich wie eine Sternenstille
über der wunderlichen Stadt der Zeit.

24. 9. 1899, Berlin-Schmargendorf

BEDURRAGO NAGO – acrylic/mixed media on canvas, 100 x 80 cm, 2018 – € 5.800

After the poem ‘Ich lebe mein Leben’ by Rainer Maria Rilke

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht:
bin ich ein Falke, ein Sturm oder
ein großer Gesang.

20.9.1899, Berlin-Schmargendorf

NIRE BEZIZKA – acrylic/mixed media on canvas, 80 x 100 cm, 2018 – € 5.800

After the poem ‘Tangara’ by Rainer Maria Rilke

Ein wenig gebrannter Erde,
wie von großer Sonne gebrannt.
Als wäre die Gebärde einer Mädchenhand
auf einmal nicht mehr vergangen;
ohne nach etwas zu langen, zu keinem Dinge
hin aus ihrem Gefühle führend,
nur an sich selber rührend
wie eine Hand ans Kinn.

Wir heben und wir drehen eine und eine Figur;
wir können fast verstehen weshalb sie nicht vergehen, –
aber wir sollen nur tiefer und wunderbarer hängen
an dem was war und lächeln:
ein wenig klarer vielleicht als vor einem Jahr.

From: Neue Gedichte (1906)

TANAGRA – acrylic/mixed media on canvas, 200 x 150 cm, 2019 – € 11.200

After the poem ‘Mir’ by Rainer Maria Rilke

Das ist mein Streit:
Sehnsuchtgeweiht
Durch alle Tage schweifen.
Dann, stark und breit,
Mit tausend Wurzelstreifen
Tief in das Leben greifen –
Und durch das Leid
Weit aus dem Leben reifen,
Weit aus der Zeit!

MIR – acrylic/mixed media on canvas, 200 x 150 cm, 2018 – € 12.200

After the poem ‘Der Tod ist groß’ by Rainer Maria Rilke

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen mitten in uns.

HERIOTZAHANDIADA – acrylic/shellac/mixed media on canvas, 200 x 150 cm, 2018 – € 11.800

After the poem ‘Was irren meine Hände’ by Rainer Maria Rilke

Was irren meine Hände in den Pinseln? 
Wenn ich dich male, Gott, du merkst es kaum. 

Ich fühle dich. An meiner Sinne Saum
beginnst du zögernd, wie mit vielen Inseln, 
und deinen Augen, welche niemals blinseln, 
bin ich der Raum. 

Du bist nicht mehr inmitten deines Glanzes, 
wo alle Linien des Engeltanzes 
die Fernen dir verbrauchen wie Musik, – 
du wohnst in deinem allerletzten Haus. 
Dein ganzer Himmel horcht in mich hinaus, 
weil ich mich sinnend dir verschwieg. 

 24. September 1899, Berlin Schmargendorf

ZOROEGOTEA – acrylic/mixed media on canvas, 240 x 80 cm, 2018 – € 10.500

After the poem ‘Abend’ by Rainer Maria Rilke

Der Abend wechselt langsam die Gewänder, die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und von dir scheiden sich die Länder, ein himmelfahrendes und eins, das fällt;
und lassen dich, zu keinem ganz gehörend, nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt –
und lassen dir (unsäglich zu entwirrn) dein Leben bang und riesenhaft und reifend,
so dass es, bald begrenzt und bald begreifend, abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.

Herbst 1904

ARADSALDEAN – acrylic/mixed media on canvas, 150 x 190 cm, 2019 – € 11.600

After the poem ‘Lied vom Meer’ by Rainer Maria Rilke

Uraltes Wehn vom Meer
Meerwind bei Nacht:
Du kommst zu keinem her;
Wenn einer wacht,
So muss er sehn, wie er
Dich übersteht:

Uraltes Wehn vom Meer,
Welches weht
Nur wie für Urgestein,
Lauter Raum
Reissend von weit herein.

O wie fühlt dich ein
Treibender Feigenbaum
Oben im Mondschein.

ITSASOARENKANTA – acrylic/mixed media on canvas, 150 x 200 cm, 2018

Jodd von Schaffstein donated this work to Fondation Rilke in Sierre, Switzerland, where it is on display since the beginning of 2020.

Die 1986 gegründete Fondation Rilke ist ein Ort der Dokumentation und der Ausstellungen. Sie führt ein Museum, eine Bibliothek und ein Archiv, veranstaltet Vorträge, Lesungen und Konzerte und veröffentlicht regelmäßig Publikationen zu Rilke wie z. B. Kataloge zu Ausstellungen.
Das Haus de Courten in Sierre, der Sitz der Fondation Rilke, liegt nicht weit vom Château Muzot entfernt, dem mittelalterlichen Schlossturm, in dem Rainer Maria Rilke seine letzten Lebenjahre verbrachte und wo er zwei seiner Hauptwerke schuf bzw. vollendete sowie mehrere Gedichtzyklen in französischer Sprache schrieb.

“Die von Rilkes Gedichten inspirierten Bilder JoDD von Schaffsteins mit ihrer „abstraction lyrique“, der Verbindung von malerischer Geste und Schrift, seiner Wahl der Gedichte und deren grossformatiger Realisierung sind faszinierend. Der innere Bezug der Werke von JoDD von Schaffstein zu den Gedichten berührt mich sehr.
Rilke drückt beispielsweise in seinem „Liebes-Lied“ (Wie soll ich meine Seele halten, dass / sie nicht an deine rührt […]) vor allem die dem „ich“ notwendige Trennung aus, was der Künstler durch die Wahl des Diptychons unterstreicht, das dennoch die Einheit des Bildes, nur ansatzweise symmetrisch, durch den engen Zusammenhang auf dunklem Grund betont.
In JoDD von Schaffsteins Kunst sind Gedicht und Bild eine Einheit, eine tiefe Lektüre und deren Ausdruck.”

Brigitte Duvillard, Director of Fondation Rilke

The official handing over of the painting took place on 27 September 2019, during the opening of Jodd’s solo exhibition at Kunstraum F200 in Berlin. Prof. Christoph Koenig, President of Fondation Rilke, recited one of Rilke’s poem during the ceremony and was delighted by the painting that Jodd presented to him afterwards.

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